Einige Überlegungen, wie der gegenwärtige geistliche Kampf in der Kirche geführt werden sollte.


Vorwort: Meine Position ist aus den vorhergehenden Einträgen auf dieser Website erkennbar. Aus meiner Sicht befindet sich die Kirche derzeit in einer sehr problematischen Lage und es breitet sich in ihr leider ein schwerwiegender Irrtum aus.

Die gegenwärtige kirchliche Situation ruft uns in besonderer Weise in eine Auseinandersetzung, die mit geistlichen Waffen geführt werden muss. Dies verlangt von uns, daß wir unsere christliche Grundhaltung in dieser notwendigen Auseinandersetzung aktivieren!

Wenn sich der Focus auch auf die Kontroverse um Amoris Laetitia richtet, so sind doch viele Bereiche mitbetroffen, welche sich in Bezug auf die Lehre der Kirche in den fünf Fragen der Dubia verdichten.

Heute geht es mir darum, einige Kriterien zu benennen, wie diese innerkirchliche Auseinandersetzung geführt werden sollte und was zu vermeiden ist, damit es wirklich ein geistlicher Kampf ist und nicht in ein natürlich-weltliches Kämpfen abgleitet!

a) die innerkirchliche Auseinandersetzung um die Wahrheit wird mit irrenden Brüdern geführt!

Es ist sehr gut zu unterscheiden, zwischen jemandem, der sich irrt, oder jemandem, der beabsichtigt, Böses zu tun. Das muß auch in der Wahl der Worte zu erkennen sein, wie wir uns mit dieser Situation auseinandersetzen.
Wenn wir dem Grundsatz folgen, daß wir die Sünde hassen, aber den Sünder lieben sollen, dann gilt dies erst recht für den Irrenden. Der Irrtum ist abzuweisen, den Irrenden soll man lieben.

Den Irrenden zurechtweisen ist ein geistliches Werk der Barmherzigkeit! Das beinhaltet, daß wir dem irrenden Bruder nicht eine böse Absicht unterstellen und ihn entsprechend behandeln.

Wenn ich das konkret auf die gegenwärtige Situation beziehe, dann unterstelle ich z.B. Kardinal Kasper keine böse Absicht, wenn er propagiert, die sog. wiederverheiratet Geschiedenen u.U. zu den Sakramenten zuzulassen! Allerdings irrt er sich und hat diesen Irrtum bisher nicht eingesehen, obwohl er schon 1993 von Kardinal Ratzinger zurückgewiesen wurde.

Was für Kardinal Kasper gilt, das gilt selbstverständlich für Papst Franziskus. Er möchte Menschen in schwierigen und komplexen Lebenssituationen helfen und ist – aus meiner Sicht – leider in der Gefahr, Grenzen zu überschreiten oder deren Überschreitung zu fördern oder zumindest diese geschehen zu lassen.

Wir halten also fest: eine solche Ansicht, die den Irrenden als Bruder anschaut, unterstellt ihm eine gute Intention, wenn sich auch der Irrtum als zerstörende Kraft erweist.

Deshalb ist es geboten, dem Irrenden mit Liebe und Respekt zu begegnen. Das gilt selbstverständlich besonders gegenüber dem Papst. Jede Beleidigung oder Verächtlichmachung seiner Person fällt auf den Beleidiger zurück, macht die Auseinandersetzung unsachlich und öffnet die Türe für zerstörerische Kräfte. Mit einer solchen Haltung kann man den Kampf nicht fruchtbar führen, sondern schwächt zudem auch noch alle Argumente, die man anführen möchte!

b) Die Auseinandersetzung muß sachlich sein!

Wenn wir den Punkt a) betrachten und verinnerlichen, sollte es möglich werden, in einem geistlichen Prozeß die Emotionen zu zügeln und ihnen nicht freien Lauf zu lassen! Wenn ob der derzeitigen kirchlichen Lage ärgerliche Gefühle hochkommen, wenn man sich etwa verraten fühlt oder Furcht vor der Zukunft hat, wenn man die Auswirkungen des Irrtums sieht und sie weiterdenkt, dann muß dies im Inneren im Gebet überwunden werden und darf nicht in die äußere Auseinandersetzung einfließen.

Leider ist nicht selten zu beobachten, daß in die notwendige Auseinandersetzung eine Härte kommt, welche die Sachlichkeit eintrübt. Fronten werden aufgebaut, die nicht etwa zwischen Irrtum und Wahrheit bestehen, sondern durch ungezügelte und daher leicht ungerecht werdende Emotionen bestimmt sind. Das ist auf beiden Seiten zu sehen: Bei jenen, welche die bisherige Lehre und Praxis der Kirche verteidigen, aber nicht selten auch bei jenen, die glauben, ihre Überzeugungen seien im positiven Sinn fortschrittlich und mit der Lehre der Kirche vereinbar.

Auseinandersetzungen, in denen geforderte sachliche Argumente durch ungeordnete Emotionen verdunkelt werden, dienen aber niemandem - außer den Mächten der Bosheit, die in diese Auseinandersetzung wesentlich mit einbezogen sind.

Im Gegenteil: sie erschweren oder versperren gar den Weg, sich ernsthaft mit den Argumenten auseinanderzusetzen, weil man die unberechtigten Emotionen und Angriffe abwehrt und ihre Seriosität in Frage stellen. Dabei wird auch vergessen, daß es sich bei der Zurechtweisung des Irrenden um ein Werk der Barmherzigkeit handelt und nicht etwa um einen Kampf mit einem Feind, der besiegt werden muß. Der wirkliche Feind, der besiegt werden soll, verbirgt sich im Irrtum!

c) Der Kampf geht gegen Fürsten und Gewalten!

Wie es uns der hl. Paulus vor Augen stellt, haben wir es in unseren Kämpfen mit Fürsten und Gewalten zu tun (Eph. 6). Es muß uns völlig bewusst werden, daß besonders auch bei innerkirchlichen Auseinandersetzungen der Teufel und seine Dämonen ihre Interessen verfolgen.

Die Kirche ist der primäre Ort, an dem der Widerstand gegen die Mächte des Bösen mit ihrem antichristlichen Charakter stattfindet. Deshalb versuchen diese Mächte alles, um die Kirche von innen zu schwächen und zu infiltrieren. Sie werden die Nutznießer sein, wenn die Auseinandersetzung um den rechten Weg der Kirche nicht mit geistlichen Mitteln geführt wird! Sie werden es schon als einen halben Sieg betrachten, wenn in der Kirche menschlich-weltlich gekämpft wird, statt in schweren Konflikten und Auseinandersetzungen geistliche Mittel anzuwenden.

Der Irrtum wird von diesen Mächten ausgestreut oder in Dienst genommen und durch die Irrenden ausgebreitet. Geschieht es, daß man mehr die Irrenden statt den Irrtum bekämpft, so dient das ihren Plänen.

Deshalb ist es wichtig, ins Gebet für diejenigen einzutreten, die man von der kirchlichen Wahrheit abirren sieht. Man steht dann vor dem Herrn für den irrenden Bruder ein und bittet, daß er seinen Irrtum erkennen möge. Im Gebet für den Bruder versuchen wir auch, einen Schutzwall um ihn zu legen, damit sich der Irrtum mit seiner zerstörerischen Kraft nicht weiter ausbreitet! Hinzu kommt, daß wir durch das Gebet auch selbst gestärkt werden, die Auseinandersetzung im Geist des Herrn zu führen und die notwendigen Unterscheidungen zu treffen.

Der geistigen Kraft hingegen, die hinter diesem Irrtum steckt, ist mit dem entsprechenden Gebet in der Waffenrüstung Gottes zu begegnen!

Es liegt nicht in unserer Macht, den Irrenden zu erleuchten, sodass er seinen Irrtum erkennt und sich von ihm abwendet. Dieses Licht kann nur Gott schenken. Aber die rechte Haltung in dieser Auseinandersetzung lässt uns daran mitwirken, damit der im Irrtum Befangene von Gott berührt werden kann!

d) Gott hält die Situation in seinen Händen!

Der Herr wird die gegenwärtige Situation in rechter Weise weiterführen. Nicht die Mächte der Bosheit, noch unsere Sünden und Unvollkommenheiten haben das letzte Wort. Gott wird seine Kirche nicht verlassen, wenn er auch diese Prüfung zulässt! So können wir unser Vertrauen getrost auf Gott setzen, denn es ist seine Kirche.

Wir sollten uns weder vom menschlichen Pessimismus noch vom Optimismus beeinflussen lassen. Der Pessimist sieht nur die negativen Auswirkungen und verstärkt diese noch durch seine pessimistische Grundhaltung. Der Optimist ist in der Gefahr, das Eingreifen und den Sieg Gottes sich allzu unkompliziert vorzustellen und übersieht dabei leicht die Dimension des Leidens in der gegenwärtigen Lage.

Das richtige Vertrauen verläßt sich auf Gott und weiß, daß Gott alle Dinge zum Guten führen wird. Das stärkt den Menschen von innen und macht ihn bereit, die Wege Gottes mitzugehen. Wenn wir vertrauen ist es uns bewußt, daß die Siege Gottes oft das Zeichen des Kreuzes tragen. Deshalb stellt der Gläubige sich nicht vor, wie dies alles ausgehen wird, sondern nimmt in dieser schweren Auseinandersetzung seinen Platz ein und folgt seinem Herrn!